Fast 1.000 Menschen standen am 7. März vor der Tencent-Zentrale in Shenzhen Schlange. Nicht für einen Produktlaunch. Nicht für ein Konzert. Sie warteten auf die kostenlose Installation eines Open-Source KI-Agenten, den ein österreichischer Entwickler gebaut hat. In der Schlange: pensionierte Ingenieure, Studierende, Hausfrauen, Hobby-Programmierer.
Das ist "Hummer-Fieber". Und es sagt wahrscheinlich mehr über die Zukunft von KI-Agenten aus als jeder Analystenreport.
Das Cloud-Wettrennen zu fünft
Laut SCMP haben alle fünf großen chinesischen Cloud-Anbieter innerhalb weniger Tage konkurrierende OpenClaw-Produkte auf den Markt gebracht.
Tencent nannte seine Produktreihe "Lobster Special Forces". QClaw integriert sich mit WeChat und QQ, Setup in drei Minuten. WorkBuddy wird über WeCom in unter einer Minute deployed.
ByteDance ging mit ArkClaw auf der Volcano Engine komplett cloud-native. Kein lokales Setup nötig. Browser öffnen, einloggen, Agent läuft. Mit tiefer Lark-Integration.
Alibaba Cloud setzte auf den Preiskrieg. One-Click Deployment für 9,9 Yuan (ca. 1,30 EUR), kostenlose DingTalk API-Calls bis zum 31. März.
JD.com Cloud kooperierte mit Lenovo für Remote-Deployment und bietet einen Setup-Service für 399 Yuan an. Baidu AI Cloud baute ein visuelles Vier-Schritte-Deployment über seine Qianfan-Plattform.
Wie CNBC berichtet, ist die Logik dahinter simpel. OpenClaw-Agenten verbrauchen 10 bis 100 Mal mehr Tokens pro Tag als ein typischer Chatbot-Nutzer. Kostenlose Deployments jetzt bedeuten fest gebundene Inference-Umsätze später. Das ist das eigentliche Rennen.
Über den Desktop hinaus
Xiaomi ging einen ganz anderen Weg. Sein miclaw läuft auf dem Xiaomi 17 Smartphone und verbindet sich mit dem Mi Home Ökosystem. Sag "Away" und es sperrt die Tür, startet den Saugroboter und aktiviert den Futterautomaten. In Reihenfolge. Autonom.
Das Agent-Modell dreht sich längst nicht mehr nur um Produktivitäts-Apps auf dem Laptop.
Verbieten und gleichzeitig fördern
Und dann ist da das Paradox, das in Peking offenbar niemanden stört. Bloomberg berichtete, dass Staatsunternehmen und Banken die Installation von OpenClaw verboten wurde. Sicherheitsbehörden bemängelten schwache Standardkonfigurationen und riskante Skill Packs von Drittanbietern.
Aber gleichzeitig bietet Shenzhens Bezirk Longgang bis zu 2 Millionen Yuan für Open-Source-Beiträge und bis zu 10 Millionen Yuan als Beteiligung für Seed-Stage-Einzelgründer. Wuxi stellt 1 bis 5 Millionen Yuan für industrielle Anwendungen bereit. Im Arbeitsbericht des Nationalen Volkskongresses wurden KI-Agenten dieses Jahr zum ersten Mal namentlich erwähnt.
Im Staatsapparat verbieten. Überall sonst finanzieren. Das ist offenbar die Strategie.
Was das für den Rest von uns bedeutet
Sicherheitsforscher in China raten Nutzern bereits, OpenClaw auf dedizierten, isolierten Maschinen laufen zu lassen. Der Mac Mini war landesweit ausverkauft, weil die Leute zugehört haben. Wer die gleiche Isolation möchte, ohne Hardware mit Aufschlag zu beschaffen, für den ist Managed OpenClaw Hosting auf EU-Infrastruktur mit DSGVO-Konformität und echtem Security Hardening die Alternative, die sich lohnt.